
Samstag, den 24.11., hat die NPD ihren zweimal verschobenen Aufmarsch in Salzgitter durchgeführt. Dagegen demonstrierten gut 1000 Teilnehmer bei einem „Fest der Demokratie“ vor dem Rathaus. Ein breites Bündnis aus Gewerkschaften, Initiativen, Vereinen und Stadtrat hatte zum Protest gegen den Aufmarsch aufgerufen. Auch die VVN Wolfsburg war dabei (Foto). Entgegen ihrer Ankündigung von 150 Teilnehmern mobilisierte die NPD nur einige Dutzend Faschos. Diese konnten unter massivem Polizeischutz ihre Route von Bahnhof zum Rathaus und zurück ablaufen. Ohne die Polizei hätten sie keine Chance gehabt. Wie lange noch wollen die staatlichen Genehmigungs-Behörden den Nazis den Weg frei machen? Sie sollten sich daran erinnern, dass genau diese Praxis in der Weimarer Republik den NSDAP-Faschisten den Weg zur Macht geebnet hat.
Bereits 1931 hat dies Kurt Tucholsky in seinem Gedicht „Rosen auf den Weg gestreut“ ironisch, aber fast prophetisch kritisiert. Darin heißt es:
Ihr müsst sie lieb und nett behandeln!
Erschreckt sie nicht, sie sind so zart.
Ihr müsst mit Palmen sie umwandeln
getreulich ihrer Eigenart.
Pfeift Eurem Hunde, wenn er sie ankläfft!
Küsst die Faschisten, küsst die Faschisten, wo Ihr sie trefft!
…….
Und schießen sie, Du lieber Himmel!-
Schätzt Ihr das Leben so hoch ein?
Das ist ein Pazifistenfimmel –
Wer möchte nicht gern Opfer sein?
Nennt sie die süßen Schnuckerchen,
gebt ihnen Bonbons und Zuckerchen!
Und spürt Ihr auch im Bauch
Den Hitlerdolch tief bis zum Heft?
Küsst die Faschisten, küsst die Faschisten
Küsst die Faschisten, wo Ihr sie trefft!

Am Sonntag, den 11. November, wurde auf dem Friedhof in Rühen an die 365 Säuglinge und Kleinkinder erinnert, die im sogenannten „Kinderpflegeheim“ des Volkswagenwerkes in Rühen jämmerlich zu Tode kamen. Auch hier war Sara Frenkel anwesend. Sie hatte das Leiden der Kinder als zwangsverpflichtete Krankenschwester mitansehen müssen. In den 80iger Jahren des letzten Jahrhunderts hatte sie sich besonders für die Pflege und die Anbringung einer Gedenkplatte auf dem damals noch ziemlich verwahrlosten Begräbnisplatz der toten Kinder engagiert. Sehr eindrucksvoll war die Rezitation der Ballade „Kinderschuhe aus Lublin“ von Johannes R. Becher durch Jugendliche der Realschule Rühen.
Mitglieder der VVN-BdA Wolfsburg besuchten anschließend mit einem kleinen Blumengesteck noch den Standort des ehemaligen „Kinderpflegeheims“ am Ortsrand von Rühen. An diesem authentischen Ort hatte die VVN gemeinsam mit dem IG Metall-Wohnbezirk Brome am 9. Mai 2014 eine Mahn- und Gedenktafel enthüllt. Sie soll daran erinnern, dass diese Verbrechen nicht irgendwo „fernab“, sondern mitten im dörflichen Leben geschahen (
Zuvor waren sie bereits in Bergen-Belsen und den KZ-Außenlagern Drütte und SZ-Watenstedt. Unter ihnen war auch Jean-Michel Gaussot, Sohn des KZ-Laagberg-Häftlings Jean Gaussot und Präsident der Amicale Internationale KZ Neuengamme (AIN). Sein Vater ist auf dem Todesmarsch vom Laagberg nach Wöbbelin umgekommen. Jean-Michel Gaussot war auf Einladung der VVN-BdA Wolfsburg und des Wolfsburger Vereins „Erinnerung und Zukunft“ im Frühjahr in Wolfsburg, hatte aus dem Buch über seinen Vater gelesen und mit jungen Menschen diskutiert
Nach einer bewegenden Gedenkzeremonie mit Kranzniederlegung und Gesang mehrerer Strophen des „Moorsoldatenliedes“ in deutscher und französischer Sprache an der Stele fuhren die Gäste weiter nach Wöbbelin, dem Ziel des Todesmarsches vom Laagberg. Viele der vollkommen entkräfteten Häftlinge starben auf dem Todesmarsch und in Wöbbelin an den unsäglichen Bedingungen und konnten den Befreiungstag des 2. Mai nicht mehr erleben.
Seenotrettung – ein Muss!
29. September trafen sich unter dem Motto „We’ll Come United“ über 25 000 Menschen in Hamburg, um mit einer Parade für Teilhabe, Solidarität und gleiche Rechte für alle und gegen das Sterben im Mittelmeer und den alltäglichen Rassismus zu demonstrieren. Darunter waren auch Wolfsburger AntifaschistInnen, die zusammen mit Flüchtlingen mit dem Niedersachsenticket nach Hamburg gereist waren.
44 bunte Trucks gaben der Demonstration ein lautstarkes und fröhliches Gepräge. Zum Abschluss feierten alle zusammen am Hamburger Hafen ein buntes Fest „United Against Racism – Zusammen gegen Rassismus“. Bei der Rückfahrt nach einem langen erlebnisreichen Tag waren sich die WolfsburgerInnen einig: jeder, der nicht dabei war, hat viel verpasst. Und im nächsten Jahr sind wir wieder bei der Antirassistische Parade dabei und nehmen noch mehr WolfsburgerInnen mit!
Mitte August wurden im sanierten Handwerkerviertel insgesamt 10 Stelen und Info-Tafeln in einer „Ausstellung vor Ort“ der Öffentlichkeit übergeben. Sie erinnern an die Nazivergangenheit der ehemaligen Barackenstadt. Im sog. „Gemeinschaftslager“ waren neben städtischen Behörden zuerst italienische Bauarbeiter, später ZwangsarbeiterInnen und Kriegsgefangene untergebracht. Eine Tafel erinnert in der Kleiststraße 44 an das mit Stacheldraht eingezäunte Kriegsgefangenen-/Straflager, wo sowjetische und italienische Kriegsgefangene besonders schlecht behandelt wurden. „Wie Tiere“ berichtet ein niederländischer Student in einem Brief nach Hause.








