Minna Faßhauer – eine starke Frau

28. März 2025

Im Rahmen des internationalen Frauentags wurde am 13. März im Otto-Brenner-Saal des Gewerkschaftshauses in Wolfsburg der Film „Minna Faßhauer – Arbeiterin, Gewerkschafterin, Ministerin“ von Michael Even gezeigt. Die Einladenden – VVN-BdA Wolfsburg und die DGB Region SüdOstNiedersachsen – konnten etwa 30 Gäste begrüßen.

Ein besonderes „Highlight“ neben dem Film war wiederum die Büste von Minna Faßhauer, die vor einem Jahr am selben Ort enthüllt worden war. Sie zeigt, in den Sockel eingelassen, wichtige Szenen zu ihrem widerständigen, mutigen Leben (https://wolfsburg.vvn-bda.de/2024/03/23/minna-fasshauer-eine-starke-frau/). Die Gewerkschaftssekretärin Andrea Hotopp und die Wolfsburger VVN-Kreisvorsitzende und Gestalterin der Büste, Mecki Hartung, zeigten sich erfreut, dass der Minna-Film nach mehreren Aufführungen in Braunschweig nun auch in Wolfsburg auf dieses Interesse traf.

Andrea Hotopp hob die Bedeutung des Braunschweiger Frauenortes Minna Faßhauer hervor (https://www.frauenorte-niedersachsen.de/die-frauen/politik/minna-fasshauer/). Unter den durch „Frauenorte“ in Niedersachsen geehrten Frauen sind kämpferische Gewerkschafterinnen bisher nur vereinzelt vertreten.

Die rege Diskussion nach dem 80 minütigen Film ergab auch die konkrete Möglichkeit einer Weiterarbeit von Interessierten. Wolfsburg hat mit der ehemaligen „Managerin in der Automobilindustrie“ (Wikipedia) Sibylle von Schieszl einen fragwürdigen Frauenort, der kritisiert wurde. U.a. war sie zur NS-Zeit im „Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund“, dessen Hakenkreuzlogo heute verboten ist. Die anwesende Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, Susanne Deimel, begrüßte die Option einer gemeinsamen Aufklärung mit dem Ziel der Veränderung sehr. Sie brachte eine mögliche Erörterung in Gegenüberstellung zur Zwangsarbeiterin Sara Frenkel in die Diskussion ein.

Die Veranstalter dankten am Ende des erfolgreichen Abends der IG Metall Wolfsburg für die Möglichkeit, diesen wichtigen Film zu Minna Faßhauer kostenlos in guter Atmosphäre im Gewerkschaftshaus zeigen zu können. Die Kolleginnen freuten sich über die ihnen zum Abschied überreichten Frauentagsnelken.

„Tanzendes Theater Wolfsburg“ und VVN-BdA

3. März 2025

Während des Antifa-Stadtrundgangs

Neue Wege gehen – das sagte sich der ehemalige IG Metall-Sekretär Hartwig Erb, der das Projekt „Jugendbegegnungsstätte VW Auschwitz“ engagiert begleitet hat. Auszubildende von VW fahren jedes Jahr nach Auschwitz; dort ‚bilden sie sich emotional und kognitiv‘, arbeiten konkret restauratorisch und teilen ihre Erfahrungen und Erkenntnisse jährlich im Rahmen von Veranstaltungen zum Auschwitz-Gedenktag bewegend mit.

Hartwig Erb hatte die ungemein kreative Idee, in diesem Zusammenhang auf eine ganz neue Gruppe von Jugendlichen zu zu gehen. Er sagte sich: wenn wir mit unseren erinnerungspolitischen Ideen an mehr Jugendliche – auch aus anderen Bereichen als VW-Auszubildenden – heran kommen wollen, müssen wir dahin gehen, wo Jugendliche sind. In Wolfsburg war das das „Tanzende Theater“.

Aus dieser Idee ist eine kleine Tradition geworden: jedes Jahr fahren drei Gruppen Jugendlicher aus Wolfsburg, Polen und aus der Ukraine gemeinsam nach Auschwitz, bereiten in Gesprächen und Workshops die Verarbeitung des Erlebten vor. Letztlich endet dies in einer Tanz-Performance unter dem Oberbegriff „Licht in der Dunkelheit“. Jedes Jahr bekommt dieses Thema einen anderen Untertitel wie „Solidarität“, „Menschenrechte“ oder in diesem Jahr „Trotzdem JA zum Leben sagen“.

An dieser Stelle vermittelte mich Hartwig Erb dem „TT“ als Input-Geberin für die NS-Geschichte Wolfsburgs. (U.a. hier zeigt sich, wie wichtig es ist, als VVN mit örtlichen Playern verknüpft zu sein.)

Jedenfalls habe ich mich sehr gefreut, dass ich in diesem Zusammenhang mit Jugendlichen aus drei Ländern sowohl eine Antifa-Stadtführung als auch einen workshop zur NS-Geschichte Wolfsburgs realisieren konnte.

Wir hoffen, dass in der Zukunft diese wegweisende Mahn– und Erinnerungsarbeit finanziell unterstützt weiterhin möglich sein wird und nicht durch die bereits greifenden Kürzungsmaßnahmen im kulturellen Bereich ‚erschlagen‘ wird. Mecki Hartung

Der Workshop. Fotos: VVN-BdA Wolfsburg

Wolfsburger Schulterschluss: Marktplatz der Demokratie

22. Februar 2025

Am Samstag, den 15.2., hatte der „Wolfsburger Schulterschluss der DemokratInnen“, ein Bündnis aus Gewerkschaften und Initiativen, zu einem „Marktplatz der Demokratie“ in die Innenstadt eingeladen.

Auch die Wolfsburger VVN-BdA, die im Bündnis von Anfang an mitarbeitet, beteiligte sich mit einem Infostand – siehe Fotos. Trotz kalten und unwirtlichen Wetters hatten sich mehrere Initiativen eingefunden, die im Umfeld eines gut ausgerüsteten IG Metall-Infostandes ihre Materialien den BürgerInnen anboten (die „Sonnenschirme“ der IGM wurden bei mehrmals einsetzendem Schneefall gerne als Unterschlupf angenommen).

Die VVN-BdA stellte in den Mittelpunkt ihrer Information die Forderung nach dem Verbot der AfD. „Unser Bündnis steht für Demokratie, Vielfalt und Weltoffenheit. Dem steht die antidemokratische AfD mit ihrem Rassismus und ihrer Hetze gegen Minderheiten und Flüchtlinge diametral entgegen“, so die Wolfsburger VVN-Vorsitzende Mechthild Hartung. „Und: wenn auch bürgerliche Parteien die Forderung ‚Abschieben im großen Stil‘ populistisch verbreiten, tragen sie selber zum Abbau von Menschenrechten und Demokratie bei. Wir wollen mithelfen, dass unsoziale und unsolidarische Kräfte in unserer Gesellschaft wieder zurückgedrängt werden können. Die Verlogenheit der AfD zeigt sich entlarvend, wenn sie einerseits offene Kontakte zu rechtsextremen und schwerreichen US-Milliardären pflegt und sich gleichzeitig als Sprecherin der ‚kleinen Leute‘ zu profilieren versucht“.

„Trotz Schneefalls und Kälte wurde eifrig diskutiert – auch mit AfD-Anhängern und rechts eingestellten Personen. So fragte sich eine Frau, wieviele dunkelhäutige Frauen wohl im Frauenhaus seien. Die Männer sollten ‚alle nach Afghanistan oder sonst wohin‘. Ich fragte sie, wohin sie denn die weißen gewalttätigen Männer abschieben wolle.“

Gerne wurde das Infomaterial und besonders Sticker von Menschen jeden Alters mitgenommen.

27. Januar 2025: Auschwitz-Gedenken in Wolfsburg am 80. Jahrestag der Befreiung

30. Januar 2025

Foto: A. Hartung

Unter dem Motto „Erinnerung macht Mut“ hatte die Stadt Wolfsburg bereits am 16.1. gemeinsam mit dem Internationalen Auschwitz Komitee (IAK) und dem „Wolfsburger Verein Erinnerung und Zukunft“ ins Kulturzentrum Hallenbad eingeladen. Im Foyer des „Hallenbad – Kultur am Schachtweg“ konnten Wolfsburger Initiativen wiederum über ihre Aktivitäten informieren.

Auch die VVN-BdA Wolfsburg war mit einem gut besuchten Infostand vertreten. In den Mittelpunkt ihrer Information stellte sie erneut die Forderung, dass der geplante Bau des Gedenk- und Lernorts KZ – Außenlager Laagberg sieben Jahre nach dem Ratsbeschluss dazu nun endlich begonnen werden müsse. Diese Forderung wird inzwischen von mehreren Wolfsburger Persönlichkeiten und Initiativen, darunter der neu gegründete Freundeskreis Gedenk- und Lernort KZ-Außenlager Laagberg, geteilt. Wesentlich dazu beigetragen hat sicherlich das nicht nachlassende Interesse in Frankreich, woher die Hälfte der etwa 800 Häftlinge stammten (z.B. wolfsburg.vvn-bda.de/2023/11/05/pelerinage-zum-ehemaligen-kz-laagberg/).

Auch der von der VVN-BdA organisierte Besuch von Jean-Michel Gaussot, Sohn des auf dem Todesmarsch nach Wöbbelin umgekommenen Jean Gaussot, hat wesentlichen Anteil daran. Sein hier auf Deutsch vorgestelltes Buch „Ode an den großen Abwesenden“ (wolfsburg.vvn-bda.de/2024/01/02/buch-veroeffentlicht-ode-an-den-grossen-abwesenden/) wird inzwischen bei städtischen Veranstaltungen als Geschenk verteilt.

Diese verschiedenen Aktivitäten haben sicher mit dazu beigetragen, dass sich OB Weilmann in seinem Grußwort auf der Veranstaltung definitiv auf das Jahr 2026 als Baubeginn festgelegt hat. Dafür bekam er großen Applaus.

Die Stadträtin für Jugend, Bildung, Integration und Soziales, Iris Bothe, die die Moderation der Veranstaltung übernahm, unterstrich in ihrer Ansprache die Bedeutung des Mottos: „Indem wir uns erinnern, geben wir den Opfern von damals eine Stimme … Das Engagement, insbesondere der jungen Menschen, ihre Gedanken, ihre Haltungen, machen Mut, dass aus der Vergangenheit gelernt wird, die Würde jedes Einzelnen zu schützen.“

Das vielfältige Programm, dargeboten von SchülerInnen der Leonardo-da-Vinci-Gesamtschule und der Eichendorffschule sowie von Auszubildenden von Volkswagen, trugen dazu genauso bei wie der Gesang von Johann Arnold Voß und eine Performance des „Tanzenden Theater“s.

Am 24. Januar haben dann SchülerInnen des Phoenix Gymnasium Vorsfelde, des Gymnasium Fallersleben, der HNG Gesamtschule und der Eichendorffschule in Zusammenarbeit mit dem Institut für Zeitgeschichte und Stadtpräsentation (IZS) auf einer Veranstaltung im Stadtschloss das Motto aus der Hallenbad-Veranstaltung mit Erfahrungsberichten von Besuchen in Bergen-Belsen und Auschwitz aufgegriffen und eindrucksvoll umgesetzt.

Am Auschwitz-Gedenktag selbst, dem 27. Januar, wurde dann auch auf der „Gedenkstätte für die Opfer des Faschismus“ in der Werderstraße an die Nazi-Verbrechen in Auschwitz, aber auch in der ehemaligen „Stadt des KdF-Wagens“ erinnert. Auf der Gedenkstätte sind mehr als 470 Opfer v.a. aus Polen und der Sowjetunion begraben, die an den Folgen der Zwangsarbeit im damaligen Volkswagenwerk starben, darunter mehr als 150 Kleinkinder und Babys. Über 50 Bürger*innen nahmen teil, darunter eine große Gruppe Schüler*innen der HNG Gesamtschule. Sieben von ihnen trugen selbstverfasste Texte vor, die an die damaligen Verbrechen in der KdF-Stadt erinnerten, aber auch vor heutigem Antisemitismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit warnten. Ein aktuelles Thema wurde aufgegriffen: die Bedeutung der „Social Media“ und die Anfälligkeit vieler Jugendlicher für dort verbreitete rechte Inhalte.

Städtische Gliederungen, die IG Metall und zivilgesellschaftliche Initiativen, darunter auch die VVN-BdA Wolfsburg, legten vor dem von der sowjetischen Militäradministration 1946 errichteten Mahnmal Kränze und Gebinde nieder. „Es ist gut und wichtig, dass das Gedenken an die Befreiung von Auschwitz durch die Rote Armee in würdiger Form erhalten bleibt“, so die VVN-Kreisvorsitzende Mecki Hartung zu den Veranstaltungen in Wolfsburg. „Wir als VVN-BdA sehen diese Erinnerungsarbeit und unsere Beteiligung daran als Unterstützung gegen die rassistische Hetze der AfD. Für uns gilt: Erinnern, Mahnen, Handeln!“
A. Hartung

Foto: M. Hartung

IGM-Antifa-Woche: Antifaschismus bleibt dringende Aufgabe

16. November 2024

Am 9. November hat die Wolfsburger IG Metall zum 20. Mal ihre traditionelle Antifa-Woche eröffnet. Sie startete am Samstag, den 9.11., mit Kundgebung und Kranzniederlegung am Sara-Frenkel-Platz. Trotz bitterkalter Temperaturen nahmen zahlreiche Kolleg*innen teil. Der 1. Geschäftsführer der IGM, Flavio Benites, nahm den Wahlsieg von Trump in den USA und die Wahlerfolge von rechten Kräften in mehreren europäischen Ländern zum Anlass darauf hinzuweisen, dass für die Gewerkschaften in ganz Europa Antifaschismus eine dringende Aufgabe bleibt. Außerdem forderte er: „Wir brauchen eine neue Friedensbewegung und Entspannungspolitik.“

Bewegend war das Grußwort der Namensgeberin des Platzes, die demnächst 102 Jahre alt wird. Es wurde von Dieter Landenberger, Leiter des „Volkswagen Heritage“ vorgetragen. Auf Grund ihres hohen Alters konnte sie den Weg aus Antwerpen nach Wolfsburg nicht mehr leisten. Zuvor hatte sie wiederholt an dieser Auftaktkundgebung zur Antifa-Woche teilgenommen. Sie dankte in ihrem verlesenen Grußwort der IG Metall und den Anwesenden für ihre Aktivitäten.

Auch die VVN-BdA Wolfsburg legte am Mahnmal für die 20.000 Zwangsarbeiter*innen ein Blumengebinde nieder. Der IG Metall-Chor „Gegenwind“ begleitete die Kundgebung mit antifaschistischen Liedern.

Gedenkstunde auf dem Friedhof

Am folgenden Sonntag fand auch wieder die Gedenkstunde der IG Metall auf dem Friedhof in Rühen statt, auf dem mehr als 300 Babys und Kleinkinder begraben sind. Sie waren im sogenannten „Ausländerkinderpflegeheim“ des Volkswagenwerkes jämmerlich zu Tode gekommen.

Sara Frenkel hatte in den 80-er Jahren des letzten Jahrhunderts mit dafür gesorgt, dass diese Massengrabstätte in einen gepflegten Zustand kam. Besonders eindrucksvoll waren die Beiträge der Konfirmandengruppe von Propst Dr. Ulrich Lincoln aus Vorsfelde. Die Jugendlichen zitierten u.a. aus den Erinnerungen von Frau Frenkel zu den Zuständen im „Ausländerkinderpflegeheim“, die in der VVN-Broschüre zu Rühen nachgelesen werden können (wolfsburg.vvn-bda.de/2013/11/12/zum-sterben-geboren-im-lager-ruhen-das-lager-das-zum-sterbelager-wurde/). Auch hier legte die VVN-BdA Wolfsburg im Rahmen der Gedenkstunde ein Blumengebinde nieder.

Gedenken am Ort des Verbrechens

Im Anschluss daran besuchte die VVN-BdA auch die Erinnerungstafel am Ortseingang von Rühen, dem authentischen Ort des sogenannten ‚Ausländerkinderpflegeheims‘.

Diese Tafel hat die Wolfsburger VVN 2014 gegen lang anhaltenden Widerstand mit Unterstützung der IG Metall aufgestellt – siehe dazu auch die oben genannte VVN-BdA-Broschüre. Die Broschüre kann in geringer Anzahl von der VVN-BdA Wolfsburg bezogen werden.

Die Wolfsburger Antifaschist*innen überlegen zur Zeit, wie an diesem Ort die Namen der kleinsten Opfer des Naziterrors sichtbar gemacht werden können, um sie dem Vergessen zu entreißen.

Einen ähnlichen Ansatz haben die SchülerInnen der BBS1 in Wolfsburg kürzlich realisiert. Dort befand das „Ausländerkinderpflegeheim“ des Volkswagenwerkes ab 1943, bevor es im Juni 1944 nach Rühen verlegt wurde, (https://wolfsburg.vvn-bda.de/2023/11/28/aleksandr-durfte-nur-6-tage-alt-werden/). Die SchülerInnen haben mit Hilfe des Wolfsburger Bildhauers R. Scheer eine Mauer aus einigen Steinen mit Opfernamen und Friedenstauben neben ihrer Schule errichtet.

Eine andere Idee wäre auch die Teilnahme am Tontafelprojekt des VDK obs-soltau.de/tontafel-projekt-wir-schreiben-eure-namen/ . „Weitere gute Vorschläge sind herzlich willkommen“, so Mechthild Hartung, Vorsitzende der VVN-BdA Wolfsburg. Alfred Hartung

Fotos: Hartung

Mahnmal „SOLIDARITÄT“ in Wolfsburg enthüllt

2. Oktober 2024

Foto: Gert Willemann

Am Dienstag, den 24.9., wurde vor gut 100 WolfsburgerInnen am Schillerteich das Mahnmal „Solidarität“ enthüllt, das die beiden Wolfsburger Künstler Mechthild Hartung und Rainer Scheer gestaltet haben – siehe Fotos. Das Mahnmal erinnert an die rassistischen Morde vor 30 Jahren in Solingen, denen fünf Familienmitglieder der Familie Genc zum Opfer gefallen waren. Seinerzeit hatte der Apulien-Verein an dieser Stelle einen kleinen Gedenkstein niedergelegt, der nun durch das aufrecht stehende, von Weitem sichtbare Mahnmal ergänzt wurde.

Der Vorsitzende des Apulien-Vereins, Angelo De Mitri, zeigte sich erfreut, dass dieses Mahnmal gegen Rassismus durch viele kleine und einige großen Spenden ermöglicht wurde. Die jüngsten Wahlergebnisse machten den migrantischen MitbürgerInnen durchaus Angst, deswegen tue diese Solidarität gut. Oberbürgermeister Weilmann und die erste Stadträtin Bothe griffen diesen Appell an die Solidarität auf und betonten in ihren Beiträgen, dass dies für das Leben gerade in unserer Stadt mit ihren Menschen aus mehr als 150 Herkunftsländern unverzichtbar sei. Stadträtin Bothe würdigte in ihrer Ansprache das jahrelange unablässige Engagement der Wolfsburger Antifaschistin und Künstlerin Mecki Hartung in verschiedenen Organisationen. Dieses Engagement sei für eine aktive Demokratie unerlässlich.

Mecki Hartung, die Wolfsburger VVN/BdA-Vorsitzende, war mit dem Ablauf der Enthüllung des Mahnmals mehr als zufrieden. „Die Teilnahme dieser vielen unterschiedlichen Menschen, GewerkschafterInnen, FlüchtlingsunterstützerInnen, Migranten und Frauenaktivistinnen macht mich glücklich“.

Der IG Metall-Chor „Gegenwind“ bereicherte die Veranstaltung mit italienischen und deutschen Antifa-Liedern. Der Apulien-Verein bedankte sich zum Schluss mit einem reichhaltigen Imbiss bei allen Beteiligten für ihre Teilnahme. Alfred Hartung

Foto: Lea Hartung

Tag des offenen Denkmals: Wolfsburger:innen fordern Baubeginn der „Gedenkstätte KZ Laagberg“

11. September 2024

Auf Einladung der VVN-BdA Wolfsburg und des Wolfsburger Vereins „Erinnerung und Zukunft“ und anderen trafen sich am 8.9. gut 20 Wolfsburgerinnen und Wolfsburger am geplanten Lern- und Gedenkort für das ehemalige KZ Laagberg – siehe Foto. Die Anwesenden waren sehr unzufrieden damit, dass mehr als 7 Jahre nach dem Ratsbeschluss (August 2017) noch immer kein Baubeginn erfolgt ist. 

Die Wolfsburger VVN-Vorsitzende Mecki Hartung und die Leiterin des städtischen Instituts für Zeitgeschichte und Stadtpräsentation, Anita Placenti, gaben einen Überblick über die Geschichte des ehemaligen Außenlagers des KZ Neuengamme und über die Auseinandersetzungen, die zum Ratsbeschluss über den Lern-und Gedenkort geführt haben. Mecki Hartung meint dazu: „Vielleicht müssen wir wieder ausländische Hilfe mobilisieren, damit sich endlich etwas tut. Jean-Michel Gaussot hat bei der Lesung aus dem Buch über seinen Vater, der hier gelitten hat und umgekommen ist, doch gezeigt, wie genau in Frankreich die Situation hier beobachtet wird. Der OB hatte auch ihm gegenüber den Baubeginn für 2025 angekündigt. Das hier sieht nicht so aus.“ (https://wolfsburg.vvn-bda.de/2024/02/27/jean-michel-gaussot-gedenk-und-lernort-kz-laagberg-wird-2025-gebaut/).

Um der Forderung nach Baubeginn ein klein wenig Nachdruck zu geben, wurde während der Aktion die Bushaltestelle am geplanten Gedenkort schon einmal provisorisch umbenannt – siehe Foto.

Fotos: Mecki Hartung

8. Mai in Wolfsburg: Letzter Überlebender des VW-Lagers anwesend

22. Mai 2024

Christian Keil und Lea Hartung legen das VVN-BdA-Gesteck nieder. Foto: M. Hartung

Der Tag der Befreiung vom Faschismus ist in Wolfsburg wieder mit einer würdigen Veranstaltung auf der Gedenkstätte für die Opfer des Faschismus in der Werderstraße begangen worden – siehe Foto.

Ein besonderer Ehrengast war Juri Vasunets, der letzte von drei Überlebenden des sog. VW-Kinderheimes in Rühen (wolfsburg.vvn-bda.de/2013/11/12/zum-sterben-geboren-im-lager-ruhen-das-lager-das-zum-sterbelager-wurde/). Juri war auf Einladung des städtischen Instituts für Zeitgeschichte und Stadtpräsentation, des Vereins Erinnerung und Zukunft und der VVN-BdA aus der Ukraine nach Wolfsburg gekommen. Die Rede von Juri auf der Gedenkveranstaltung kann unten gelesen werden.

Neben dem Grußwort des OB Weilmann und der Rede der Stadträtin Iris Bothe beeindruckte besonders der Beitrag von Schülerinnen und Schülern des Phoenix Gymnasiums, die sich intensiv mit der Geschichte des sog. Kinderheimes des Volkswagenwerkes beschäftigt hatten. In einer szenischen Lesung aus den Prozessprotokollen gegen den VW-Werksarzt Dr. Körbel (1946)* charakterisierten sie eindrucksvoll das NS-Verbrechen an den Säuglingen und Kleinkindern. Eine sehr besondere Idee!

Der IG Metall-Chor Gegenwind begleitete die Gedenkveranstaltung vor gut 100 TeilnehmerInnen mit antifaschistischen Liedern.

Juri Vasunets besuchte am Folgetag die originale Stätte seiner frühen Kindheit, das sog. Kinderheim des Volkswagenwerkes. Dort berichtete Mechthild Hartung, die Wolfburger VVN-BdA-Vorsitzende, von den Schwierigkeiten, aber auch vom Erfolg der Aufstellung der Mahn– und Gedenktafel am authentischen Ort des Lagers – siehe Foto. „Weil vom Lager selbst nichts mehr erhalten blieb, ist es besonders wichtig, dass diese Mahn– und Gedenktafel auf den Ort des Naziverbrechens hinweist. So wird deutlich, dass die NS-Verbrechen nicht nur weit weg, sondern auch mitten im Alltag der Deutschen stattfanden“, so Mechthild Hartung. „Deshalb wird die VVN-BdA nicht nachlassen, für den Erhalt und die Pflege der Gedenkstätten zu arbeiten. Gerade gegen die Zunahme von Rassismus in unserem Land und in ganz Europa können diese Gedenkstätten ein wichtiges Hilfsmittel sein“. Text: Alfred Hartung

*Körbel war 1946 in Helmstedt zum Tode verurteilt und in Hameln hingerichtet worden.

Der 80-jährige Juri Vasunets am Ort seines Leidens. Foto: L. Hartung

Rede Juri Vasunets

Liebe Anwesende,

ich danke der Stadt Wolfsburg für die Einladung. Ich freue mich sehr, dass ich ein Grußwort an Sie richten kann. Meine Eltern wurden aus der Ukraine nach Nazi-Deutschland in das Dorf Barwedel deportiert. Dort arbeiteten sie beim Bauern Dürheide als Zwangsarbeiter. Sie wurden dort gut behandelt. Nach dem Krieg entwickelte sich eine Freundschaft zur Familie Dürheide, die noch heute besteht.

Ich kam am 6. Juni 1943 in einer Art Krankenhaus – es war eine Baracke – in der „Stadt des KdF-Wagens“, auf die Welt. Nur einen Monat nach meiner Geburt wurde ich meinen Eltern gewaltsam weggenommen und zu dem sog. „Säuglings -und Kinderpflegeheim“ am Rand von Rühen verschleppt. Die Bedingungen dort waren so schlecht, dass mehr als 350 Babys starben. Nur drei überlebten – ich war eins davon.

So stehe ich heute mit fast 81 Jahren vor Ihnen. Ich hatte das Glück eine Familie gründen zu können: Ich habe eine Frau, zwei Töchter, drei Enkel und einen Urenkel (eine Urenkelin?). Ich habe niemals gedacht, dass ich einmal einen Krieg erleben muss und deswegen Angst um unser Leben haben muss.

Wir leben im Westen der Ukraine, in Lviv. Wenn es Alarm gibt, gehen wir in den Keller. Dort ist alles vorbereitet mit Wasser, Decken, Stühlen.

Ich möchte Ihnen sagen: Krieg ist niemals eine Lösung. Krieg zerstört das Leben und die Zukunft von so vielen Menschen, die nichts anderes wollen, als in Frieden zu leben, zu arbeiten und sich zu entwickeln.

Das Geld für Waffen sollte für Schulen, Krankenhäuser, Parks, Jugendherbergen und internationalen Austausch der Jugend verwendet werden, damit das internationale Verständnis wächst anstelle von nationaler Blindheit.

Ich danke Ihnen und wünsche der Welt Frieden!

Ostermarsch in Wolfsburg: „Wir wollen Frieden“

3. April 2024

Foto: Gianni Marazza

In Wolfsburg haben etwa 200 Bürgerinnen und Bürger am diesjährigen Ostermarsch am 30. März teilgenommen. Wie auch in den letzten Jahren hatten alle DGB-Gewerkschaften und die VVN-BdA Wolfsburg zum Marsch vom Gewerkschaftshaus in die Stadtmitte aufgerufen – siehe Foto. „Seit jetzt 10 Jahren hat sich diese Zusammenarbeit nach längerer Pause in den Jahren davor wieder bewährt“, so die Wolfsburger VVN-Vorsitzende Mechthild Hartung . „Auch wenn wir in einzelnen Punkten unterschiedliche Einschätzungen zur Weltlage haben, eint uns: Wir wollen Frieden!“

Hervorzuheben ist die engagierte Rede von Flavio Benites, 1. Geschäftssekretär der IG Metall Wolfsburg. Als einziger sprach er die weltweit stattfindenden Kriege an, betonte das überwiegend die zivile Bevölkerung treffende Leid; er nannte ausdrücklich auch die palästinensischen Opfer in Gaza.

Im Innenhof des Gewerkschaftshauses wurde das „Ostermarsch-Archiv“ aktuell um das Jahr 2024 ergänzt. Kleine Ostermarsch-Plaketten aus Ton dokumentieren dort die erfolgreichen Aktionen seit 2014 – siehe Foto. „Das ist ein schönes Verzeichnis für unseren Wolfsburger Ostermarsch“, so ein Teilnehmer beim Anbringen der neuen Plakette. „Und genug Platz ist ja noch für den „langen Atem!“. Alfred Hartung

Foto: M. Hartung

Minna Faßhauer – eine starke Frau

23. März 2024

Im Rahmen des internationalen Frauentags fand am 11. März im Mala-Zimetbaum-Raum des Gewerkschaftshauses in Wolfsburg eine beeindruckende Veranstaltung statt, die von der VVN-BdA Wolfsburg organisiert wurde. Lea Broedermann konnte knapp 20 Kolleginnen und einzelne Kollegen begrüßen.

Die rund 90-minütige Veranstaltung stand ganz im Zeichen der Enthüllung einer Büste, die der Persönlichkeit Minna Faßhauer (1875 – 1949) gewidmet war. Zu Beginn enthüllte Lea diese Büste, die auf einem Sockel steht. In den Sockel eingelassen sind wichtige Szenen zu ihrem widerständigen, mutigen Leben. Siehe Video unter diesem Link.

Lea motivierte die Teilnehmer*innen, sich dieses Kunstwerk von Mecki Hartung zum Ende der Veranstaltung näher anzusehen. Zunächst aber bat sie Heide Janicki aus Braunschweig, die zu Minna Faßhauer geforscht hat, uns diese „starke Frau“ näher vorzustellen.

Mit einem tollen pp-Vortrag konnte Heide die Entwicklung Minnas vom einfachen Mädchen „vom Lande“ über Dienstmädchen und Waschfrau zu einer führenden Revolutionärin während der Novemberrevolution in Braunschweig darlegen. Das ihr übertragene Amt als Volkskommissarin für Volksbildung und Volkswohlfahrt im Freistaat Braunschweig machte sie 1918 zur ersten Ministerin im demokratischen Deutschland, nachdem der Kaiser und die Herzöge verjagt worden waren. Heide stellte die Persönlichkeit Minnas auch in den Zusammenhang der politischen Emanzipation der Arbeiterbewegung und mit ihr der Arbeiterfrauen seit den „Tagen der Commune“ im März 1871 in Paris.

Leider wurden die Errungenschaften der Novemberrevolution in Braunschweig wie auch im übrigen Deutschland in den nachfolgenden Jahren zum großen Teil wieder von der Reaktion beseitigt. Den Höhepunkt der Verfolgung stellte dann der Machtantritt der Faschisten im Jahr 1933 dar, die Minna dann auch für zwei Jahre ins KZ brachten.

Minna überlebte, gesundheitlich schwer gezeichnet, den Faschismus und starb 1949 in Braunschweig. Bis in ihre letzten Tage war sie politisch aktiv und gehörte zu den Gründer*innen der niedersächsischen Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes.

Mehr zum Leben und Wirken von Minna Faßhauer kann man in der Broschüre „Minna Fasshauer: Waschfrau, Kommunistin, Ministerin“ der DKP Braunschweig nachlesen (dkp-braunschweig.de/broschueren). Auch beim DGB-Arbeitskreises „Minna Faßhauer“ kann man unter minna-fasshauer.de/ viele Informationen finden.

Alfred Hartung

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