Auch in Wolfsburg Hunderte gegen AfD auf der Straße

18. Februar 2024

Foto: M.Hartung

Etwa 500 WolfsburgerInnen sind am 2.2. dem Aufruf der Wolfsburger Falken gefolgt, gegen die rassistische und menschenverachtende Politik der AfD zu demonstrieren. In ihrem Aufruf forderten die Falken: „Weg mit der AfD. Keinen Fußbreit dem Faschismus! Gegen Rechtsruck und die Ideologie der AfD“. „Wir haben uns entschieden, auch in Wolfsburg ein klares Zeichen gegen Rechtsextremismus und die Abschiebungsfantasien der AfD zu setzen. Wir möchten nicht, dass sich Geschichte wiederholt“, sagt Organisator Tim von den Falken und ergänzt: „Wir setzen uns für eine bunte Gesellschaft ein, in der alle friedlich miteinander leben können, ohne Hass und Hetze.“

Weitere Wolfsburger Jugendorganisationen wie Jusos und Grüne Jugend hatten sich dem Aufruf angeschlossen und erfreulich viele junge Menschen vor das Rathaus mobilisiert. Unter der gekonnten Moderation der Falken hörten sie bei nasskaltem und stürmischen Wetter weitere engagierte Redebeiträge. Dabei klang im Beitrag des jungen Grünen Vito Brullo durchaus auch Kritik an der Politik der Ampelregierung an. Konkret kritisierte er besonders die grüne Außenministerin Baerbock.

Die Falken hatten auch die Wolfsburger VVN-BdA um einen Redebeitrag gebeten. Beide Organisationen verbindet bereits seit längerer Zeit eine engagierte Antifa-Arbeit (vgl. z.B. wolfsburg.vvn-bda.de/2023/08/23/kaempferische-antifa-demo-in-wolfsburg).Das junge VVN-Mitglied Hetharini Kirishnarajah forderte in ihrer Rede ein AfD-Verbot – „jetzt und sofort. Die AfD ist keine Alternative für Deutschland, sondern ein Armutszeugnis. Wir müssen uns wehren und damit sofort anfangen, nicht erst, wenn Freiheitskampf als Landesverrat betitelt wird.“ Sie vermutete, dass sie und ihre Familie weit oben auf der „Remigrations“- besser „Deportationsliste“ der AfD stehen würden. „Aber das ist hier unsere Heimat. Ihr kriegt uns hier nicht weg“, rief sie unter großem Beifall aus. A. Hartung

Unten kann die Rede von Hetharini gelesen werden

Rede von Hetharini Kirishnarajah

Liebe Freundinnen und Freunde,

mein Name ist Hetharini Kirishnarajah. Ich spreche hier für die Wolfsburger Gruppe der VVN-BdA, der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes und des Bundes der Antifaschistinnen und Antifaschisten. Wir freuen uns sehr, dass die Falken Wolfsburg zu dieser Kundgebung aufrufen. Wir fordern gemeinsam mit Euch:

AfD-Verbot jetzt!

Denn die AfD ist eine Gefahr für uns alle. Sie ist keine Alternative für Deutschland, sondern ein Armutszeugnis! Die VVN-BdA veröffentlichte Folgendes in einer aktuellen Pressemitteilung

„Die Ereignisse von 1933 bis 1945 hätten spätestens 1928 bekämpft werden müssen. Später war es zu spät. Man darf nicht warten, bis der Freiheitskampf Landesverrat genannt wird. Man darf nicht warten, bis aus dem Schneeball eine Lawine geworden ist. Man muss den rollenden Schneeball zertreten. …“

So hat der bekannte Dichter Erich Kästner seine Erkenntnisse formuliert. Mit Entsetzen fühlen sich die letzten überlebenden Verfolgten des Naziregimes an die letzten Jahre der Weimarer Republik erinnert. „Dass wir sowas nochmal erleben müssen, hätten wir nicht gedacht“, so formulieren es viele. Der scheinbar unaufhaltsame Aufstieg der AfD beherrscht seit Jahren die Medien, während Höcke seine Ideologie überall wie Gift auslegt. Dagegen muss man auftreten und dagegen halten. Das kann nicht sein!

Die derzeitigen Massenproteste nach dem Geheimtreffen von AfD-Mitgliedern und anderen extrem Rechten zu einem „Masterplan Remigration“, der eigentlich „Masterplan Deportation“ heißen müsste, kommen daher keinen Moment zu früh. Wie Ihr nicht nur aus meinem Namen entnehmen könnt, wäre ich mit meiner Familie von diesen AfD-Plänen mit als erste betroffen. Das ist jetzt aber hier meine Heimat! Uns bekommen die hier nicht weg, und ich danke Euch, dass Ihr uns dabei helft.

Ich verstehe die vielen guten Proteste, Demonstrationen und Kundgebungen der letzten Tage aber auch als Mahnung an die Politik, nicht weiter durch ihre Politik der Abschiebungen das zu tun, was sich die AfD wünscht – nämlich ein von uns Menschen mit Migrationshintergrund „gereinigtes“ Deutschland. Gerade erst konnte man sich hier im Rathaus hier Ausstellung „GRENZERFAHRUNGEN. Wie Europa gegen Schutzsuchende aufrüstet“ anschauen. Die Ausstellung zeigte mit eindrücklichen Fotos und Infos: Kein Mensch verlässt zum Spaß seine Heimat. Schon gar nicht, um eventuell hier Asylbewerberleistungen oder Bargeld zu erhalten!

Diese Kundgebungen und Demos im ganzen Land sind also super wichtig für ein weltoffenes, demokratisches und humanes Deutschland! Und deswegen freue ich mich, dass wir dazu auch hier in Wolfsburg einen kleinen Beitrag leisten. Und ich verspreche Euch: Ich, meine Familie und meine Freundinnen und Freunde mit migrantischem Hintergrund: wir lassen Euch mit diesen widerlichen Typen der AfD und ihren offenen oder auch heimlichen Sympathisanten nicht allein.

Wir stehen solidarisch zusammen! – Ich danke Euch.