
Liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde,
es ist schön, dass ich hier am Sara – Frenkel – Platz zu Euch sprechen kann; Sara Frenkels Schicksal begann mit dem Überfall Nazi-Deutschlands auf Polen vor 79 Jahren. Unseren herzlichen Gruß an sie von diesem Ostermarsch aus werden wir im Gewerkschaftshaus auf einer Karte unterschreiben.
Nach dem verheerenden verbrecherischen 2. Weltkrieg galt für ‚uns‘: NIE WIEDER KRIEG, NIE WIEDER FASCHISMUS! Ins gesellschaftliche Gedächtnis ist diese Losung mit der leidenschaftlichen Lithografie von Käthe Kollwitz eingegraben.
Die 1945 scheinbar unumstößliche und folgerichtige Forderung „Von deutschem Boden darf nie wieder Krieg ausgehen“ und damit verbunden das Verbot der Wiederbewaffnung wurden trotz Widerstands schon bald unter Adenauer über Bord geworfen.
Konkret für die VVN in Niedersachsen hieß das 1951: die Geschäftsstelle der VVN wurde durchsucht und geschlossen, weil sie sich gegen die Remilitarisierung der BRD eingesetzt hatte.
Wo stehen wir heute? (Mit Zahlen will ich Euch verschonen.)
– Die Politik der BRD hat großen Anteil an der verheerenden, ausweglos erscheinenden weltpolitischen Situation. Wir fordern von unseren beiden Bundestagsabgeordneten, sich konkret und konsequent im Bundestag für eine Politik der Entspannung einzusetzen. Dazu gehört das „NEIN“ zu Kriegseinsätzen, Rüstungsexporten und Aufrüstung. Nur dann fühlen wir uns von ihnen vertreten (deutlicher Blick zu Falko Mohrs, der allem zu gestimmt hatte bis jetzt). Auch wenn man in der SPD ist, kann man mit NEIN stimmen, wie man im Internet nachsehen kann.
Wir sind keine Traumtänzer, wenn wir fordern:
– Verhandeln statt Bomben! Schluss mit den Versuchen politische Probleme militärisch lösen zu wollen!
– Umgehende Beendigung der Auslandseinsätze der Bundeswehr!
– Schluss mit den Drohgebärden gegen Russland!
– Keine Erlaubnis für Waffenexporte! – egal ob in Kriegsgebiete, Krisengebiete oder gar an verfeindete Parteien in kriegerischen Auseinandersetzungen! Erst Recht darf der völkerrechtswidrige Überfall der Türkei auf Afrin nicht mit deutschen Waffenlieferungen unterstützt werden!
– Wir treten ein für Rüstungskonversion. Es gibt bereits Konzepte; wenn sie noch nicht weit genug greifen, muss in deren Weiterentwicklung Geld gesteckt werden und nicht in die Rüstungsindustrie.
– Für das Verringern des Rüstungsetats! Er soll nach dem Willen der Bundesregierung von 37 Milliarden € auf 70 Milliarden aufgestockt werden – unvorstellbare Summen. Wir wollen nicht, dass mit unseren Steuergeldern die mörderischen Kriege finanziert werden, die unendliches Leid und lebenslange Traumatisierung der leidenden Bevölkerung hinterlassen. Wir stehen seit Jahrzehnten an der Seite der Geflüchteten hier in Wolfsburg und wissen, wovon wir sprechen. Eine Afghanin kollabiert in meinem Deutschunterricht, krallt sich in meine Haare, als ich mich über sie beuge und ruft mich an „Mama, Mama!“ –
Was muss dem voraus gegangen sein?!
– Grenzen auf für Menschen auf der Flucht!
Ich möchte schließen mit einem Auszug aus einem Gedicht Bertolt Brechts , das er 1952 schrieb:
Das Gedächtnis der Menschheit
Das Gedächtnis der Menschheit
für erduldete Leiden ist erstaunlich kurz.
Ihre Vorstellungsgabe für kommende
Leiden ist fast noch geringer.
…
Die weltweiten Schrecken der vierziger Jahre scheinen vergessen.
„Der Regen von gestern macht uns nicht nass“ – sagen viele.
Diese Abgestumpftheit ist es,
die wir zu bekämpfen haben,
ihr äußerster Grad ist der Tod.
…
Und doch wird nichts mich davon überzeugen,
dass es aussichtslos ist,
der Vernunft gegen ihre Feinde beizustehen.
Lasst uns das tausendmal Gesagte immer wieder sagen,
damit es nicht einmal zu wenig gesagt wurde!
Lasst uns die Warnungen erneuern,
und wenn sie schon wie Asche in unserem Mund sind!
Denn der Menschheit drohen Kriege,
gegen welche die vergangenen wie armselige Versuche sind,
und sie werden kommen ohne jeden Zweifel,
wenn denen, die sie in aller Öffentlichkeit vorbereiten,
nicht die Hände zerschlagen werden.
Ich danke Euch.
(Mechthild Hartung, VVN-BdA e.V./ Sprecherin in Niedersachsen, Vorstand Flüchtlingshilfe Wolfsburg e.V.)

Am Freitag Nachmittag dann besuchte Jean-Michel Gaussot die Stele auf dem Laagberg, die an die Leidensstätte der 800 KZ-Häftlinge erinnert, darunter auch sein Vater. Fast auf den Tag genau, am 7. April 1945, waren von hier aus die Häftlinge auf den Todesmarsch nach Wöbbelin getrieben worden, den sein Vater nicht überlebte.
Im Jahr 2015 hatte der 8.Jahrgang der Realschule Rühen, einer „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“, den Maurice-Gleize-Preis erhalten. In der Urkunde heißt es: „In Zusammenhang mit der Übergabe der Gedenktafel für das sog. Kinder- und Säuglingspflegeheim in Rühen an die Öffentlichkeit hat sich die Schule vorbildlich durch Text- und Musikbeiträge engagiert. Sie wird durch verschiedene Maßnahmen … auch in Zukunft die Erinnerung an diesen Ort wach halten.“ (Urkunde)
Die VVN-BdA Wolfsburg erinnerte am 29.1.2018 mit einer besonderen Veranstaltung an ihren 70. Gründungstag. Landessprecherin Mechthild Hartung konnte mehr als 30 Mitglieder und FreundInnen begrüßen, darunter eine Gruppe junger AntifaschistInnen. Im Rahmen der Jubiläumsfeier wurde eine Ausstellung über die Aktivitäten der VVN Wolfsburg in den vergangenen 70 Jahren präsentiert, deren Highlight die erste Mitgliederliste unserer Kreisorganisation war; auf den Tag genau, vor 70 Jahren, wurde diese Liste datiert “ 29.Januar 1948″.
Auch in diesem Jahr wird in Wolfsburg der Befreiung des KZ Auschwitz durch die Rote Armee gedacht. Bereits am Donnerstag, den 25. Januar, 19.00 Uhr, laden die Stadt Wolfsburg und das Internationale Auschwitz Komitee in Kooperation mit dem Wolfsburger Verein „Erinnerung und Zukunft“ zu einem „künstlerischen Abend des Gedenkens“ in das Hallenbad – Kultur am Schachtweg ein. Nach der Begrüßung durch den Ober- bürgermeister und Beiträgen von SchülerInnen wird die szenische Lesung „Ein Stück Wiese am Wald“ von Christoph Heubner uraufgeführt.
Die VVN-BdA Wolfsburg erinnert am 29.1.2018 mit einer besonderen Veranstaltung an ihren 70. Gründungstag. Wir sind glücklicher Weise im Besitz der ersten Mitgliederliste unserer Kreisorganisation, die damals den Bereich Gifhorn/Wolfsburg umfasste. Auf den Tag genau, vor 70 Jahren, wurde diese Liste datiert: 29.Januar 1948 – siehe Faksimile.
Am 2.12. fand der Bundesparteitag der AfD in Hannover statt. Bei den Vorstandswahlen hat sich der Rechtsaußenflügel weitgehend durchgesetzt. Doch die rassistische Partei konnte ihre Hetzveranstaltung nicht ohne unübersehbaren bundesweiten Protest abhalten. Schon am frühen Morgen versuchten hunderte AntifaschistInnen mit Blockaden die Anfahrt der AfD-Politiker zu behindern, was auch teilweise gelang: Der Parteitag konnte erst mit einstündiger Verspätung beginnen. Ohne das rabiate Vorgehen der Polizei wäre der Erfolg sicher noch größer gewesen. Die Polizisten prügelten Blockaden von der Straße und setzten trotz eisiger Temperaturen Wasserwerfer ein. Mehrere BlockiererInnen wurden z.T. schwer verletzt; so erlitt ein Protestierender durch Polizeiprügel einen Beinbruch.
Auch aus unserer Region sollen Menschen, die wegen Verfolgung, aus Angst und Verzweiflung eine riskante Flucht gewagt haben, nach Afghanistan abgeschoben werden. Dagegen protestierten wir am Samstag, den 25.11., als AntifaschistInnen und AntirassistInnen gemeinsam mit Jugendlichen der Sozialistischen Jugend DIE FALKEN, der Flüchtlingshilfe, dem DGB und der Partei „Die Linke“.
Gut 150 DemonstrantInnen, unter ihnen viele Menschen aus Afghanistan, forderten mit kämpferischen Parolen und phantasievollen Bannern die neue Landesregierung von SPD und CDU auf, den bislang praktizierten Abschiebestopp nach dem Beispiel Bremens fort zu setzen.






